Kung Fu Hustle

Kung Fu HustleUnd wieder eine selten-billige Kritik zu einem eigentlich nicht schlechten Streifen: Kung Fu Hustle.

Mit diesem Beitrag werden die treuen Leser von nidwirkli.ch einmal mehr mit einer Kurzkritik abgespeist. Aber was soll´s?
Eher unerwartet fand ich mich in einer Vorstellung von ´Kung Fu Hustle´ wieder. Noch unerwarteter stellte ich fest, dass der Film mir tatsächlich nicht schlecht gefallen hat. Endlich mal was neues und nach dem unsagbar langweiligen ´Crouching Tiger Hidden Dragon´ kehrt mein Glaube in dieses Genre zurück.
Der gelungene Mix aus Kung Fu Action, Parodie und Slapstick wusste den Host zu überzeugen und ist jedem zu empfehlen, dem ´Kill Bill´ zu wenig originär und das Matrix-Zeugs zu ernst war.
Ausserdem fährt der Film mit einem ansehnlichen Arsenal an Anspielungen und Anekdoten auf, und man merkt einmal mehr, wie sehr gewisse Motive untrennbar mit den Klassikern von Tarantino oder den Wachowskis verbunden sind.
Bevor mir der andere Arm auch noch einschläft, gebe ich dieser Kritik besser den ´coup de grâce´.
Und wem´s nicht passt, der kann ja einen Kommentar unten reinschreiben und mir beweisen, dass der durchschnittliche nidwirkli.ch Leser nicht so ein fauler Sack ist wie der Host selber.

Sky Captain and the World of Tomorrow

Sky Captain and the World of TomorrowAuch ein wunderlicher Titel kann einen tollen Film nicht verderben.

Nun steh’ ich hier ich armer Tor
und überlass sie andern, die 1. Mai Demo.
Da frag ich mich, ja müsst ich denn,
als Träumer, Host und Philanthrop,
auch motzen, lärmen, Zeichen setzen,
Flagge zeigen, mitmarschieren,
mit den frustrierten Unzufriednen,
die da durch die Gassen hetzen?

Gestern noch Läufer in der Stadt,
euphorisch bis zum letzten Platz.
Heut grimmig, bös und weltbewegend,
die Linken, Rechten, was weiss ich,
stolzieren plagierend, schon fast peinlich.

Da dämmert’s mir: Ach lass es Host,
das ist so gar nicht deine Kost,
sich mit der Polizei zu messen,
schreib lieber was, das kannst Du besser.

Doch nun zu einer Premiere: Eine Kritik zu einem Direct to DVD Silberling – mit gutem Grund, denn es ist eine Schande, dass der Film den Weg in die hiesigen Kinos nicht geschafft hat (Oder hab ich da was verpasst?). Die herrlichen, in wunderbarem Comic-Stil gehaltenen, dynamischen Bilder hätte ich nur zu gerne auf einer grossen Leinwand genossen. Als Comic Fan war ‚Sky Captain and the World of Tomorrow’ wahres Manna für die geplagten host’schen Augen.
Der Film ist wahrlich eine sehr angenehme Überraschung. Ich hatte schon das allerschlimmste erwartet, aber der Film kommt mit einer solchen Leichtigkeit und Ernstlosigkeit daher, dass man die Bilder einfach nur geniessen kann. Kino-Freaks aufgepasst! Dieser Film ist ein Muss für alle, die visuelle und szenische Referenzen und Zitate lieben. In ‚Sky Captain and the World of Tomorrow’ wird von ‘Star Wars’, über ‘Indiana Jones’ bis zu ‘Lord of the Rings’ alles geplündert und wiederverwertet, was visuell ein bisschen was hergibt. Da reiht sich eine Rivendale – ähnliche Idylle an die Ankunft in Cloud City aus ‚The Empire Stikes back’, und Angelina Jolie auf der Plattform der fliegenden Festung nimmt schon mal den ‚Nick Fury, Agent of S.H.I.E.L.D aus der anstehenden Marvel-Comic Verfilmung vorweg.
Tönen tut der Film sowieso wie eine Star Wars Episode. Und zwar grandios und andauernd; So ziemlich jedes einzelne Frame des Filmes ist mit Musik unterlegt. Schon fast episch. Ein cleverer ‚Wizard of Oz’ Subtext und die obligate Klischee-Romanze vervollständigen das ganze.
Es wurde viel Schlechtes über den Film geschrieben, und das könnte ich auch tun, das mache ich schliesslich so gerne, aber warum sollte ich? Sky Captain and the World of Tomorrw ist auf seine eigene, spezielle Art … perfekt. Kein grosses Kino, aber auf jeden Fall Entertainment at it’s best.

The Life and Death of Peter Sellers

Nebenan plätschern die «Desperaten Hausweifen» vor sich hin und ich lausche wie jeden Montag den süssen Dialogen und warte gespannt, ob ich vielleicht heute Abend einen Hinweis darauf finden kann, warum diese Serie in den Staaten ein solcher Erfolg sein soll.

Doch nun zum eigentlichen Thema von heute: «The Life and Death of Peter Sellers». Wie so oft habe ich eigentlich keine Ahnung von der Thematik des Films, denn obwohl ich vor Jahren wohl einen oder zwei Filme der «Pink Panther» Reihe gesehen habe, fand ich diese nicht besonders lustig und bis vor kurzem konnte ich kaum Peter Sellers von Peter Weller unterscheiden. [Jetzt verpasste ich doch prompt die erste Liebesszene bei den Hausweifen.]

Zurück zum Thema: Obwohl ich mich im Grunde nicht besonders für Peter Sellers erwärmen kann, muss ich den Film auf der ganzen Linie empfehlen, denn eine Vermutung scheint sich bei «The Life and Death of Peter Sellers» zu bestätigen: Die Qualität eines Biopic kann daran gemessen werden, wie gut man den Film finden kann, auch wenn man die grundlegende Figur nicht im vornherein kennt. (Das muss eine meiner holprigsten Formulationen seit langem sein.) Wie bereits bei «The People vs. Larry Flynt», «Man on the Moon» oder «The Aviator» hatte ich von den historischen Hintergründen im Vorfeld keine Ahnung, war dann jedoch von der filmischen Umsetzung umso mehr angetan.

Dasselbe trifft auch auf «The Life and Death of Peter Sellers» zu. Der Film funktioniert auf allen Ebenen so perfekt, dass es einfach ein Genuss ist, sich auf die Geschichte einzulassen und die Entwicklung der Figuren mitzuverfolgen. Insbesondere der Kunstgriff, die Geschichte auf mehreren Ebenen spielen zu lassen… Oh, gerade hüpfte eine fast nackte desperate Hausweif über meinen TV Bildschirm; ich glaube, langsam begreife ich das Konzept der Serie. Wo war ich? Ach ja, die Geschichte von Peter Sellers wird auf sehr ungewöhnliche, aber äusserst originelle Weise erzählt: In einer Art Rahmenhandlung wird man zu Beginn von Sellers persönlich in die Geschichte eingeführt, indem quasi die Handlung als Film im Film vorgestellt wird. Im weiteren Verlauf des Streifens wird die Geschichte immer wieder fliessend vom Erzähler unterbrochen, so dass man immer mehr den Überblick verliert, auf welcher Ebene der Erzählung man sich denn gerade befindet. Das Schöne dabei ist, dass dies überhaupt keine Rolle spielt und den Rhythmus der Geschichte nicht unterbricht. Beim genannten Erzähler handelt es sich notabene um den verkleideten Peter Sellers, der wiederum von Geoffrey Rush verkörpert wird. Dies mag nun etwas konfus tönen, im Film verwirrt dies jedoch nie, sondern funktioniert als formaler Kniff, um das eigentliche Hauptmotiv des Filmes wiederzuspiegeln: Die vermeintliche Unbestimmtheit oder gar Abwesenheit von Peter Seller’s ureigener Persönlichkeit.

An dieser Stelle scheint mir ein grosses Lob an Geoffrey Rush angebracht, denn obwohl er praktisch in jeder Szene des Filmes (mindestens einmal) vorkommt, nimmt man ihm die Figur des Peter Sellers zu jeder Zeit ab. (Ein Ding der Unmöglichkeit bei den Superstars wie z.B. Cruise oder Clooney, Travolta oder Pitt, die, so gut sie auch spielen, meistens eher Figuren verkörpern, die eben wiederum den Schauspielern Cruise, Clooney, Travolta oder Pitt zum verwechseln ähnlich sehen und sich auch so benehmen. «Ocean’s Twelve» bewies uns zum Glück, dass dies ja auch nichts Schlechtes sein muss.)

Die Hausweifen verabschieden sich übrigens gerade, wiederum halbnackt, und machen im Äther Platz für die nächste «TV-Sensation» aus den USA: Komisch, obwohl die Gestrandeten in «Lost» schon seit Wochen auf einer abgelegenen Insel ohne Kontakt zum Rest der Welt festsitzen, scheinen die Leute dort immer noch mehr Anziehsachen als die Hausweifen zu haben.

Man sollte sich «The Life and Death of Peter Sellers» auf jeden Fall anschauen, egal, ob man die Hintergründe nun kennt oder nicht. Und nachdem man das Grab von Ray Charles mit Grammies und Oscars zugeschüttet hat, ist es nur gut und recht, wenn man auch Peter Sellers Tribut dieser Art zollt, zumal «The Life and Death of Peter Sellers» nüchtern betrachtet um Längen unterhaltsamer ist als «Ray».

Archives | First published: April 23, 2005

The Merchant of Venice

The Merchant of VeniceDarf´s ein bisschen mehr sein?

Irgendwie bedaure ich fast, dass weder Halle Berry noch Michael Dudikoff eine Hauptrolle in ‚The Merchant fo Venice’ bekommen haben. Wäre dies der Fall, hätte ich keine Skrupel, diesem Film einen solchen Verriss zu verpassen, dass Michael Radford glaubte, Massimo Troisi persönlich stiege aus seinem Grab und haue ihm seine Oskar-Nomination um die Ohren.
Da der Part des Shylock aber nun mal nicht von einem dahergelaufenen Lorenzo Lamas sondern vom grossen Al Pacino persönlich gespielt wird, sehe ich mich als Fan in der Pflicht, etwas differenzierter an den Film heranzugehen.

Jeder durchschnittlich kulturell Interessierte weiss wohl um die Brisanz und den beissenden Humor in William Shakespeare’s ‚Der Kaufmann von Venedig’. Da der Host jedoch alles andere als durchschnittlich ist, war er sich dieses Umstandes nicht bewusst, bis er es in einigen nidwirkli.ch-fremden Kritiken gelesen hatte. Ich gehe daher mal davon aus, dass der Stoff wirklich so heikel ist und der Brisanz-Regler bei der Vorstellung, die ich im Kino erleben durfte, nicht ganz so hoch eingestellt war wie vom Verleiher empfohlen. (Falls der geneigte Leser jetzt das Gefühl hat, der vorangegangene Satz mache nicht viel Sinn, dann hat er wahrscheinlich recht.)
Und übrigens: Muss den immer alles als brisant, heikel oder zumindest anspruchsvoll bezeichnet werden, wenn ein Bösewicht jüdischen Glaubens (oder ein arabischer Terrorist, oder ein Schweizer Banker) auch nur am Rande vorkommt? Ich dachte, diese Diskussion über Antisemitismus im Mainstream-Kino sei spätestens seit ‚The Passion of the Christ’ doch eher abgegriffen. Ausserdem gab es damals schliesslich um ‚X-Men’ auch keine Diskussion zum Thema, obwohl Magneto mindestens ebenso boshaft wie Shylock und die Szene mit ihm als Kind im KZ fast ebenso schwarz-weiss wie der Grossteil von ‚Schindler’s List’ ist.
Brisanz ist gefragt? Dann lanciere ich hiermit aus dem hohlen Bauch heraus das Internet-Gerücht, dass Steven Spielberg’s‚ Jaws’ (‚Der Weisse Hai’) ursprünglich unter dem Arbeitstitel ‚Jews’ von einem übermächtigen, jüdischen Hai handeln sollte, der aus Rache einen arischen Strand terrorisiert, dann aber von einem anderen Mitglied der jüdischen Gemeinschaft zur Strecke gebracht wird. Voilà: innerhalb weniger Wochen werdet Ihr auf meine Website geleitet, wenn Ihr auch nur daran denkt, nach ‚Kontroverse’ zu googlen. DAS ist Brisanz.

Zurück zum Thema: Im Allgemeinen wird ebendiese Brisanz als Grund aufgeführt, dass ‚The Merchant of Venice’ bis jetzt als Filmvorlage eher vernachlässigt wurde. Ich selber vertrete die Auffassung, dass Filmemacher bis jetzt einfach das Risiko, einen langweiligen Film abzuliefern als zu gross eingestuft hatten. Angesichts der Tatsache, dass ich die literarische Vorlage von Shakespeare nicht gekannt hatte, bis ich den Film gesehen habe, ist diese meine Behauptung natürlich ein ‚circulus in probando’, eine Feststellung, die ich erst im Nachhinein machen konnte. Das ist das schöne an Fremdwörtern: An dieser Stelle studieren noch 85% meiner Leser was ein ‚circulus in probando’ denn ist, (es ist ein Zirkelschluss), und ich brauche mir keine Gedanken zu machen, wie ich wieder Fluss in den Text bringe, aber wer den Film gesehen hat, weiss, was ich meine: ‚The Merchant of Venice’ ist langweilig. Es soll sogar Leute geben, die während der Vorstellung eingeschlafen sind. Zwar ist dies dem Host selber seit ‚Sleepers’ nicht mehr passiert (kein Witz, ehrlich!), jedoch sind auch für ihn die narkoleptischen Reaktionen auf ‚The Merchant of Venice’ sehr wohl nachvollziehbar.
Kurz: Ich wartete den ganzen Film lang darauf, dass Al Pacino endlich aufdreht und den Kinosaal mit einem seiner lautstarken Monologe erzittern lässt. Doch obwohl es an einigen Stellen den Anschein macht, jetzt lege er los, kommt es nie zum ‚The Devil’s Advocate’ oder ‚Any Given Sunday’ – Moment (wer die Filme gesehen hat, weiss was ich meine). Die Rolle des Shylocks lässt dies gar nicht zu. Denn wenn Pacino aufdrehen würde, wäre der Film für seine Schauspielerkollegen gelaufen. Und soweit ich die Story verstanden habe, ist es der Dramaturgie nicht sonderlich hilfreich, wenn die Figur des Shylock zur Hauptidentifikationsfigur wird. Doch auch mit Pacino mit angezogener Handbremse passiert leider eben dies, was mitunter ein Grund ist, dass der Film nicht wirklich funktionieren kann. Halloo?! Dann besetzt nicht Al Pacino auf diesen Part oder gebt ihm einen ebenbürtigen Counterpart, vielleicht Sean Penn, Edward Norton oder wenigstens Jamie Foxx als Othello! Denn wenn der Shylock am Schluss mit eingezogenen ‚Little Friend’ herunterkapitelt wird, ist das für den Zuschauer so unbefriedigend wie wenn Tony Montana am Ende von ‚Scarface’ ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden würde. (Übrigens weiss ich sehr wohl, dass Othello nicht im ‚Kaufmann von Venedig’ vorkommt, aber wenn im Sommer ‚Stealth’ in die Kinos kommt, könnten Foxx’s Oscar-Ehren so schnell aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwinden wie der gleichnamige Flieger vom Radar, und Foxx wäre froh, wenn er auf einen Othello in seinem Lebenslauf verweisen könnte.)

Nun ein Wort zum eigentlichen ‚Helden’ des Stücks: Obwohl Joseph Fiennes seit ‚Shakespeare in Love’ was Frauen anbelangt nicht viel gelernt zu haben scheint, kann man nichts gegen seine schauspielerischen Fähigkeiten sagen. Nicht umsonst sind seine Leistungen in ‚Schindler’s List’ oder ‚The English Patient’ bis heute unverg…, oh, entschuldige Joseph. Nächstes Thema.

Abschliessend kann ich sagen, dass das Beste an ‚The Merchant of Venice’ die Tatsache ist, dass ich mich an einen anderen Film erinnert wähnte, den schon fast vergessen hatte: ‚Looking for Richard’. Jedem, der sich für eine wirklich gelungene und amüsante Kombination von Shakespeare und Pacino interessiert, dem lege ich diesen pseudo-dokumentarischen Film mit vielen bekannten Gesichtern ans Herz. Und wenn man Al Pacino dann immer noch als Juden in brisantem Umfeld sehen will, dann empfehle ich den Thriller ‚People I know’ (‚Der innere Kreis’).

Scary Movie 3

Scary Movie 3Na ja. Ich erinnere mich, wie lustig ich damals ´Die Nackte Kanone´ und die ´Hot Shots´ Filme fand. Grundsätzlich habe ich ja auch nichts gegen Parodien, es gab sogar eine Zeit, in der ich das Genre als mein Lieblingsgebiet erklärt hätte. Aber ´Scary Movie 3´ konnte mich nun einfach nicht vom Hocker reissen. Nicht, dass ich weiss nicht was für hohe Ansprüche an solche Komödien habe, aber wirklich lustig fand ich den Film nicht, obwohl einige Gags tatsächlich funktionierten. Aufgrund der Enttäuschung mag ich auch gar nicht mehr dazu schreiben.
Nicht mal die Hoffnung, dass ich nach den Credits noch mit einem wahrer Super Brüller Witz belohnt werden würde, wie es doch früher mal bei solchen Filmen üblich war, wurde erfüllt. Schade, aber ich warte auf den nächsten Teil – vielleicht ist der ja besser.

Monster

MonsterMan hat es ja schon einige Male gehört und gelesen: Charlize Theron ist in ´Monster´ bis zur Unkenntlichkeit geschminkt und verzichtet somit auf ihr bis jetzt wohl herausragendstes Attribut: Ihr Aussehen. Eigentlich wollte ich es mir ja verkneifen, ebenfalls auf diesem Punkt herumzuhacken, denn der Film ist wirklich gelungen und die Leistungen der Hauptdarstellerin haben mich positiv überrascht, aber wenn ich schon mal dabei bin…
Gerade weil die Verwandlung von Charlize Theron in den Medien unerträglich in die Breite getreten wird, finde ich es erwähnenswert, dass ´Monster´ in erster Linie gar nicht den Hauptcharakter klassifizieren soll, sondern als Symbol für unerfüllte Träume und Hoffnungen fungiert. In ähnlicher Weise wie dieser doppeldeutige Titel funktioniert der ganze Film (ich stelle diese These mal einfach so in den Raum):
Schon durch die Titelgebung und das Make-up wird dem Zuschauer im Vorfeld unweigerlich klar gemacht, wer das Monster ist und dass diese Bezeichnung ohne weiteres wörtlich genommen werden darf. (Dabei gehe ich davon aus, dass man vor dem Kinobesuch in etwa weiss, von was der Film handelt und nicht etwas wie ´Hulk´ oder ´Gremlins´ erwartet.)
Während sich die Story entwickelt, ändert sich aber diese Einstellung gegenüber dem Hauptcharakter. Jedoch wird hier nicht einfach der Täter zu Opfer gemacht, sondern das Ganze geschieht differenzierter: Obwohl der Charakter Aileen Wuornos (Theron) bis zum Schluss nie wirklich zur Sympathiefigur wird und man sich trotz anfänglichem Verständnis und Mitleid keinesfalls mit ihr identifizieren möchte, ist und bleibt sie der Mittelpunkt des Filmes und man akzeptiert ihre Rolle. Dabei dominieren weder Mitleid noch Abscheu gegenüber der Hauptfigur, sondern man übernimmt als Zuschauer die Rolle des Mitläufers wieder Willen, also den Part, den im Film Christina Ricci als Selby Wall verkörpert. Obwohl Wuornos dramaturgisch eindeutig die Identifikationsfigur darstellt, kann man ihr Verhalten nicht gutheissen, obwohl man anfänglich ihre Beweggründe gut nachvollziehen kann. Man treibt immer mehr von ihr weg hin zur Normalität und ist schlussendlich zufrieden mit dem Ende des Filmes, obwohl man doch der Hauptfigur zu Beginn ein Happy End gegönnt hätte.
Diese Wiedersprüchlichkeit zwischen Identifikationsfigur und Zuschauermoral macht wohl den Reiz von ´Monster´ aus und überzeugte zumindest mich.

Lost in Translation

Lost in TranslationA long time ago ist´s schon her seit meiner letzten Kritik. Doch, doch, ich war schon im Kino, nur bin ich nicht dazu gekommen zu jedem Film meinen Kommentar abzugeben. Darum hier nur ein kleiner Nachschub eines wirklich sehenswerten Films: ´Lost in Translation´.
Ich weiss nicht genau warum, aber Bill Murray wirkt einfach saumässig sympathisch. Obwohl ich ihn seit Jahren in keinem Kinofilm mehr gesehen habe (ausser in ´Charlie´s Angels´), schafft er es im Handumdrehen, seine Figur eines gealterten Schauspielers glaubwürdig und vor allem unglaublich komisch zu etablieren. Es scheint, als seien seit Ghostbusters-Zeiten keine zwei Jahre vergangen.
Die kulturellen Unterschiede zwischen Westen und Osten werden sorgfältig gezeigt und ohne zu übertreiben wirken die meisten Gags gerade dadurch, dass sie sich tatsächlich so abgespielt haben könnten.
Noch ein Wort zur weiblichen Hauptdarstellerin: Lange habe ich im Kino herumgegrübelt, wie diese Schauspielerin denn heisst (Ich hab nicht so genau aufgepasst beim Vorspann). Dann ist es mir endlich in den Sinn gekommen: Dominique Swain! Doch hoppla, da hatte ich mich gewaltig getäuscht. Es handelt sich in Wirklichkeit um Scarlett Johansson. Aber ähnlich sehen tun sich die beiden doch wirklich, oder lieg ich da völlig falsch?
So, bevor ich noch weiter in die Abgründe des semantischen Verfalls vordringe, mach ich Schluss mit dieser Kritik und warte auf bessere Zeiten.

Paycheck

PaycheckTrotz allen Mühen, die ich im Moment verspüre, eine vernünftige Kritik zu schreiben, versuche ich es nochmal. Es wird doch wohl möglich sein, über ´Paycheck´ einen ansprechenden Verriss zu schreiben?!
Es tut mir ja wirklich leid. Ich mochte ´Broken Arrow´, ich liebte ´Face/off´ und über ´Bullet in the Head´ kann ich wirklich nichts schlechtes schreiben, da ich ihn nie gesehen habe. Aber ´Paycheck´ konnte mich nun wirklich nicht überzeugen. Bei Zeitreisegeschichten und ähnlichem werde ich sonst immer schwach, aber im Vergleich zu ´Paycheck´ war Bill and Ted´s excellent Journey´ geradezu grosses Kino.
Ich muss zugeben, dass auch ich bei ´Face/off´ das Gefühl bekam, dass John Woo ein begabter Choreograph von Actionszenen ist, der aus eigentlich simplen Plots etwas spezielles zaubern kann, wenn man ihm nur genug Zeitlupeneinstellungen und einen gefüllten Taubenschlag zur Verfügung stellt.
Wenigstens die Tauben benutzte er auch in ´Paycheck´ wieder, doch damit hat´s sich auch schon. Die Zeitreisestory an sich wäre ja interessant, doch die filmische Umsetzung dreht sich ständig im Kreis und sinkt bis zum Ende des Filmes auf ein gutes Mittelmass hinunter.
Noch so ein Opfer seines eigenen Erfolges scheint mir Ben Affleck zu sein: Seit er mit JLo zusammen war, kommt mir immer, wenn ich ihn auf der Leinwand sehe, dieses schreckliche Bild aus der Loreal-Werbung mit Affleck in den Sinn und ich bringe es einfach nicht mehr aus meinem Kopf. Sein filmisches Werk fand ich bis zu einem gewissen Punkt respektabel. So lange er nicht ganz ernst gemeinte Komödien oder ambitionierte Autorenfilme drehte fand ich´s ganz ok. Doch seit er diesen ganzen Hollywood Glamour ausdünsted, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen. Vor kurzem sah ich ´Jay and Silent Bob strike back´, in dem Ben Affleck u.a. sich selber verkörperte. Das war wirklich lustig!
In ´Paycheck´ kommt er leider nicht an die Coolness eines John Travolta oder Nic Cage heran. Darum kann auch der Hauptdarsteller die Karre nicht aus dem Dreck des Mittelmasses ziehen.
Bleibt zu hoffen, dass a) Ben Affleck bald wieder ein Projekt zusammen Kevin Smith verwirklicht (wohl nicht sehr wahrscheinlich) und b) John Woo einen Werbespot für ´Kentucky Fried Chicken´ dreht. Der könnte dann laufen unter dem Namen ´Poulet in the Head´.

The Matrix – Revolutions

The Matrix - RevolutionsEverything that has a Beginning has an End – Leider. Irgendwie habe ich mich bereits an das halbjähriliche Matrix – Spektakel gewöhnt. Dummerweise suchte ich genau dieses ´End´ in ´The Matrix – Revolutions´ vergeblich. Jedenfalls das Ende, das ich mir vorgestellt hatte. ´The Matrix´ hat sich so weit in seine eigene mystische Welt hineinstilisiert, dass die Auflösung der diversen Anspielungen, Rätsel und Handlungssträngen nur enttäuschen konnte. Ähnlich wie man sich beim Horrorfilm bei der gruseligen Szene die Augen schliesst und die eigene Fantasie dabei so schreckliche Bilder produziert, wie sie nie auf die Leinwand gebracht werden könnten. So gesehen ist es wahrscheinlich sogar besser, dass die meisten Fragen unbeantwortet blieben. Leider erscheint ´Reloaded´ damit im Nachhinein als Mogelpackung, die viel mehr verspricht und and Mystik aufbaut, als schlussendlich vorhanden ist. Als ganzes ist ´Revolutions´ sicher nicht der beste der drei Filme, und als eigenständiger Film könnte er sowieso nicht bestehen.
ABER: Was die Action und Spannung angeht, habe ich selten so etwas energiegeladenes gesehen. Zumal ich nach ´Reloaded´ eine enorm hohe Erwartung an die Fortsetzung hatte. Was visuelle Ideen und Effekte angeht, übertrifft ´Revolutions´ seine Vorgänger, man könnte fast von einem Overkill sprechen. Mich auf jeden Fall hat es in den Kinosessel gedrückt und trotzdem wollte ich mehr und noch mehr. Was ich dann auch bekam: Der eigentliche Showdown erstreckte sich über fast zwei drittel des Filmes. Natürlich ist ´Revolutions´ auch visuell wieder ein Genuss: Obwohl man das CGI förmlich riecht, würde ich mir jedes Frame des Films an die Wand hängen. Leider wird´s dann gegen Ende etwas kitschig – das hätte ich nun doch nicht erwartet. Es schien so, als würde man die Reihe gezwungenermassen zu einem Ende bringen. Verglichen mit dem Ideenreichtum und Anspruch, mit denen sich das Matrix – Universum auszeichnet, passt dieses Ende so gar nicht dazu.
Nichtsdestotrotz (wer hat eigentlich dieses Wort erfunden, tönt wie der Evil Twin von Nostradamus) – Als Fan fühlt man sich bei ´Revolutions´ zu Hause und, sein wir ehrlich, wenn man ´Reloaded´ gesehen hat, muss man nun einfach auch in diesen Film gehen – inevitable! [November 6. 2003]
PS: Hier noch ein Tipp: Falls Ihr eine wirklich gelungene Kritik zu ´The Matrix – Revolutions´ und anderen Filmen lesen wollt, klickt zur kultigen Ain´t it cool News Website!